Klinische Anatomie

Was hat makroskopische Anatomie mit Patientenwohl zu tun? Die Frage ist einfach beantwortet, wenn man das zunehmende Interesse operativ tätiger Ärzte an klinischen Kursen und den zunehmenden Einsatz neu entwickelter, meist minimal invasiver, Operationstechniken sieht. Letztlich ist es der Patient, der durch kürzere Operationsdauer und Liegezeiten im Krankenhaus und damit durch schnellere Gesundung davon profitiert.

 Im Präpariersaal werden neue Operationsmethoden getestet oder Fortbildungen unterschiedlichster Art am Original, dem menschlichen Körper, durchgeführt. Ziel ist es, mit möglichst schonenden Eingriffen das beste Ergebnis für die Patienten zu erzielen und diese Techniken an chirurgisch tätige Ärzte weiterzugeben. Dabei werden grundlegende Routineoperationen ebenso gezeigt, wie schwierige Eingriffe, so dass die Fortbildungen für alle Ärzte - vom jungen Assistenzarzt über den Facharzt bis zum Oberarzt - interessant und wichtig sind.

 

Es ist immer wieder spannend und faszinierend zu sehen, wie der Präpariersaal für diese Kurse in einen großen Operationssaal verwandelt wird, in dem zahlreiche, operativ tätige Ärzte aus allen Gegenden Deutschlands und dem Ausland kommen, um sich in der Anatomie in Lübeck fortzubilden. Der Schwerpunkt der Fortbildung liegt dabei auf der praktischen Anleitung durch erfahrene Operateure und dem Üben am Original. Hierzu wird an einem Master-Tisch jeder Operationsschritt von einem erfahrenen Kollegen vorpräpariert. Jeder Teilnehmer kann über den Beamer die vielen einzelnen Schritte beobachten und im Anschluss gleich in die Tat umsetzen. Auch hierin werden die ärztlichen Kollegen von erfahrenen Betreuern begleitet. Grundlegende anatomische Fragestellungen beantwortet das Team der klinischen Anatomie anhand von ausliegenden Demonstrationspräparaten. Die Evaluation der Teilnehmer zeigt, dass diese engmaschige Betreuung als sehr positiv empfunden wird. Der Lerneffekt ist dadurch sehr hoch und die Auswirkungen für die Versorgung der Patienten sind unschätzbar wertvoll. Bisher arbeiten wir besonders eng mit der Klinik für Hals-Nasen- und Ohrenheilkunde, der Klinik für Unfallchirurgie, der Klinik für Plastische Chirurgie und der Gesellschaft für Fußchirurgie zusammen. Ein neuer Schwerpunkt, der gerade im Aufbau begriffen ist, sind laparoskopische Operationstechniken in der gynäkologischen Onkologie. Längerfristig würden wir gerne für alle operativen Fächer Kurse anbieten.

 

Über die klinischen Kurse hinaus ist unsere Abteilung in viele klinische Forschungsprojekte eingebunden. Eine lange, enge Zusammenarbeit besteht mit dem Labor für Biomechanik, das der Klinik für Unfallchirurgie angeschlossen ist. Auch hier steht die Forschung zum Wohl des Patienten im Vordergrund. Derzeit verfolgen wir ein überregionales gemeinsames Projekt zu Knochenfestigkeit und Auswirkungen von Knochenschwund (Osteoporose). Da es sich hierbei um ein wichtiges Gesundheitsthema in der breiten Bevölkerung handelt, wird die Studie durch Forschungsgelder gefördert. In Jahr 2013 sind auch Forschungsvorhaben mit der Fachhochschule Lübeck (Tandem) zustande gekommen. Hier sind wir an der Erstellung von Modellen für Hauttransplantationsverfahren oder Modellen zur Fingerdurchblutung für die Testung von Sauerstoffsonden (Oxymetern) beteiligt. Im Rahmen dieser Arbeiten haben wir einige Bachelor-Arbeiten unterstützen können. Für die Patienten könnten aus diesen Verfahren längerfristig Erleichterungen bei der Deckung von Hautdefekten aber auch in der intensivmedizinischen Betreuung entstehen.

 

Wie sich aus unserer Arbeit und der Nachfrage daran erkennen lässt, bildet die makroskopische Anatomie sowohl gegenwärtig als auch in Zukunft eine wichtige Grundlage für die moderne Fortbildung in der Medizin und damit auch für das Wohl des Patienten!